Archiv der Kategorie 'Nazis & andere Modesünden'

Wir sind doch alle irgendwie „die neuen Juden“, oder?

“Wir sind die neuen Juden” ließ Heinz-Christian Strache, der Vorsitzende der rechtsradikalen Partei FPÖ, am Freitag beim völkischen WKR-Ball verlauten. Achso, diese Neonazis, Holocaustleugner*innen und Volksgemeinschaftsfetischist*innen sind also “die neuen Juden”. Und sowieso waren die Proteste gegen die Burschenschaftlerfete in der Hofburg gemeingefährlich, ja, haben die Besucher*innen in “Todesangst” versetzt, sodass, wie Strache weiß, den Neonazis ein Einblick in die Gefühlswelt der Juden während der (nicht sogenannten, sondern DER) “Reichskristallnacht” möglich war. Aha, gegen “die neuen Juden” wurden also schon Progrome geplant und durchgeführt. Aber natürlich vergleicht Strache sich nicht mit den jüdischen Menschen während des Nationalsozialismus, er hat immerhin “tiefstes Mitgefühl mit allen Opfern des nationalsozialistischen Regimes”, deshalb seien seine Äußerungen auch nicht relativierend. Soso, hinter “dieser Hetzkampagne” gegen ihn und seine Partei stecken eh die Linksextremisten, ein unmoralischer Journalist der österreichischen Tageszeitung “Der Standard”, ach, eigentlich die Medien insgesamt, immerhin engagiert sich die “Freiheitliche Partei” auch “gegen jede mögliche Wiederholung des Holocaust”.
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News aus der Provinz: Frust für Radeberger Kamerad_innen

Das bekamen wir gerade von der Autonomen Antifa Radeberg:

Nach Bekanntwerden einer angemeldeten Mahnwache „Bombenterror gegen Libyen stoppen“ von Radeberger NPD-Stadtrat Simon Richter am 29. September, formte sich schnell kreativer Protest. So wurde schon gegen Mittag der gesamte Marktplatz mit Antifaplakaten dekoriert um es den stolzen Deutschen so gemütlich wie möglich zu machen. Leider fühlten sich die Faschist_innen von so viel entgegengebrachter Nächstenliebe überfordert und rissen die Plakate wenig später wieder herunter. Unglaublich enttäuscht trafen eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung die ersten Antifaschist_innen ein, welche sich von dieser Zurückweisung jedoch nicht entmutigen ließen. Schnell wurden aus dem Rathaus sämtliche Mülltonnen herausgebracht und wiederum dekorativ als Entsorgungsmöglichkeit für die verteilte braune Propaganda aufgestellt.

Ungeduldig warteten alle Anwesenden auf die Gastgeber_innen. Die sammelten sich eine halbe Stunde nach offiziellem Beginn (deutsche Pünktlichkeit!?) auf der anderen Seite des Marktplatzes, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden und ihr mitgebrachtes Demonstrationsequipment auszutauschen. Mit neuem Transparent und reduzierter Teilnehmer_innenzahl (aus drei wurden nur noch zwei) grüßten die beiden Nazis die Anwesenden. Zielsicher steuerten die beiden genau unter das Transparent, das zuvor aus dem Büro des Oberbürgermeisters Gerhard Lemm entrollt wurde.

Um die Wohlfühlatmosphäre noch weiter zu steigern, packten die Antifas ein buntbemaltes Transpi mit der Aufschrift „No Nazis in Radeberg!“ aus. Nachdem die beiden Kamerad_innen von der NPD nach 20 Minuten immer noch anwesend waren, bekamen sie nun von ihren freundlichen Antifaschist_innen etwas Musik auf die Ohren. Die Bibliothek stellte netterweise einen Ghettoblaster sowie heitere jüdische Musik zur Verfügung, sodass dem fröhlichen Treiben nichts mehr im Wege stand.
Davon ließen sich die Nazis jedoch nicht anstecken und versuchten immerzu den Antifas auszuweichen – ohne Erfolg. Frustriert brachen die nationalen „Volkshelden“ 30 Minuten vor dem offiziellen Ende die Veranstaltung ab.

Fazit für die Nazis: Fünf verteilte Flyer (zwei an die Antifas; zwei an Passant_innen welche diese sofort in die dafür vorgesehenen Behältnisse warfen; naja, und einen an einen stadtbekannten Kameraden).

Fazit für alle Anderen: Sonne, Musik und viel Spaß – ein lustiger Nachmittag in Radeberg!

Quelle: http://aardb.blogsport.de/2011/10/01/frust-fuer-radeberger-kamerad_innen/

Von Aktionismus keine Spur: Die zwei Nazis stehen einfach nur rum.

Aufruf und Selbstverständnis der Initiative „Progrom 91″ | Demo am 17.9. in Hoyerswerda

Wenn sich im sächsischen Hoyerswerda im September diesen Jahres an den 20. Jahrestag der Überfälle auf Asylsuchende und VertragsarbeiterInnen von 1991 erinnert wird, hat das mit einer ernstgemeinten Auseinandersetzung und einer daraus folgenden Aufarbeitung und Gedenkkultur leider wenig zu tun. Seit 20 Jahren ist man sich hier einig, dass die Stadt und ihre BewohnerInnen für diese Debatten noch nicht bereit seien und es „andere Probleme“ gebe, als der Umgang mit dieser unschönen Geschichte, durch die diese Stadt weltweit in Verruf geraten ist. Und dennoch werden sich wohl auch in diesem Jahr wieder einige StadtvertreterInnen auf dem Lausitzer Platz oder einem anderen Ort fernab des Geschehens einfinden, um den „extremistischen Ausschreitungen“, wie es auf einer Stele anlässlich des 15. Jahrestages der Ereignisse hieß, von damals zu gedenken.

Unserer Auffassung nach ist diese Gedenkpolitik nicht nur eine falsche Einordnung der Geschehnisse. Viel mehr scheint jene Praxis eine konstante Weiterführung von Versuchen der Schuldabwehr und Relativierung, wie sie schon damals gebetsmühlenartig von den lokalen Medien und VertreterInnen der Stadt vorgetragen wurden, um den entstandenen Rufschaden wieder wett zumachen.

Vor diesem Hintergrund halten wir es für dringend notwendig, auch nach 20 Jahren gegen diese anhaltende Verdrehung von Tatsachen Stellung zu beziehen. Unsere Betrachtung der damaligen Ereignisse in Hoyerswerda benennt diese klar als das, was sie waren. Nämlich ein rassistisches Pogrom, wie es bis dahin nach dem zweiten Weltkrieg auf deutschem Boden kein Zweites gegeben hat.

Nach den Angriffen im September 1991 waren in der örtlichen Presse wahlweise die Medien von außerhalb, ein Versagen der bundesdeutschen Asylpolitik oder eine sich verschlechternde soziale Lage durch den fehlenden Aufschwung Ost an allem schuld. Kein Wort vom grassierenden Nationalismus der sich damals aller Orten Bahn brach, kein Wort von den marodierenden Neonazigruppen, die allabendlich neue Opfer forderten und von nicht wenigen BürgerInnen dankend als Ordnungsfaktor „in schwierigen Zeiten“ angenommen wurden.

In Hoyerswerda wüteten eben nicht nur Anhänger der vermeintlichen „extremen Rechten“. Vor den Heimen der GastarbeiterInnen und Asylsuchenden tobte ein rechter BürgerInnenmob, bestehend aus Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft. Darunter jene, die sich als Neonazis verstanden, aber eben auch „ganz normale Deutsche“: NachbarInnen und KollegInnen. Ob mit oder ohne Bomberjacke – in ihrem Ziel waren sich vor den Heimen im September 1991 alle einig: „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus“ und dabei war ihnen jedes Mittel recht.

Beflügelt durch die erfolgreiche Vertreibung der migrantischen HeimbewohnerInnen aus Hoyerswerda, breiteten sich ähnliche rassistisch motivierte Überfälle auf Unterkünfte von Asylsuchenden und VertragsarbeiterInnen in der ganzen BRD aus und forderten bald erste Todesopfer. Ihren Höhepunkt erreichte diese Welle rassistischer Gewalt schließlich 1992 in Rostock Lichtenhagen.

Gerade weil Hoyerswerda als Ausgangspunkt dieser Entwicklungen betrachtet werden kann, möchten wir einen Beitrag zur mehr als dürftigen Aufarbeitung des Pogroms vor Ort leisten und die bislang vorherrschende städtische „Gedenkpolitik“ in den Fokus unserer Kritik nehmen.

Die Internetseite der Initiative soll in diesem Kontext als Archiv zur Dokumentation der damaligen Ereignisse dienen und somit eine kritische Auseinandersetzung mit den Geschehnissen befördern. Gleichzeitig möchten wir auf diesem Weg emanzipatorischen Gruppen und Einzelpersonen ein Forum für Diskussionen zum Thema ermöglichen. Mit seinem öffentlichen Statement „Die Erinnerung an diese 15 Jahre behalten wir Hoyerswerdaer uns selbst vor“ bestätigte der ehemaliger Oberbürgermeister Horst- Dieter Brähmig noch vor fünf Jahren zähneknirschend den vor Ort allgemein vorherrschenden Konsens des kollektiven Verdrängens. Wir dagegen möchten explizit auch den Betroffenen des rassistischen Pogroms von 1991 Raum für ihre Meinungen und Erfahrungen geben – und zwar in der Stadt, aus der sie gewaltsam vertrieben wurden.

Wir haben außerdem eine klare Forderung, mit welcher dem bisherigen Verdrängen und Vergessen der Ereignisse vom September 1991 nachhaltig entgegengewirkt werden soll: ein Denkmal zur Erinnerung an das rassistische Pogrom. Wir rufen deshalb zu einem Wettbewerb auf, ein geeignetes Denkmal zu entwerfen, aus welchem wir das Beste auswählen. Wir fordern die Stadt auf, dieses Mahnmal auf der Freifläche in der Wilhem-Külz-Straße aufzustellen – vor einem der Häuser, in dem sich das Pogrom 1991 ereignet hat, bei unserem Stadtspaziergang am 17. September wird es bereits zur Probe aufgestellt. Mit der Forderung an die Stadt, es auch offiziell zu verankern, soll in Hoyerswerda ein fester Ort geschaffen werden, der dauerhaft an die Geschehnisse erinnert. Ein Stolperstein, der ein Vergessen unmöglich macht, mit dem wir den Betroffenen des Angriffs organisierter Neonazis und „ganz normaler“ Bürger gedenken wollen, die man aufgrund ihrer Hautfarbe und Herkunft als „anders“ wahrnahm und denen man deshalb ein Leben in Hoyerswerda nicht zugestand – es ist die Erinnerung an das rassistische Pogrom von Hoyerswerda.

Kontakt:
Mail: pogrom91[at]fastmail.net
Web: http://pogrom91.tumblr.com
Twitter: @InitiativeP91

Gedenkdemo am 17. September in Hoyerswerda | 14 Uhr Bahnhof Hoyerswerda
Auch wir unterstützen diese Initiative:
Gegen Verdrängung und Geschichtsrevisionismus!
Kein Vergeben – Kein Vergessen!

Damals wie heute: Nieder mit dem deutschen Volke!

Neonazis wollen am 17. Juni in Dresden die „Volksaufstände“ von 1953 für ihre Zwecke in Dresdner Tradition umdeuten und unter dem Motto „Damals wie heute: Nationale Souveränität statt Fremdbestimmung!“ gegen eine angebliche „europäische Herrschaft“ über die BRD demonstrieren.

Schon seit circa 2001 versuchen Dresdner Neonazis um den „Aktionskreis 17. Juni 1953“ dieses Datum als einen Tag des „deutschen Volkes“ zu feiern und die Ziele der Aufstände, freie Wahlen, Erhöhung des Lebensstandards und Abbau der Grenzen (zwischen BRD und DDR), zu vereinnahmen, letztes Jahr konnten sie unter dem Slogan „Damals wie heute: Alle Macht dem Volke!“ mit rund 100 Personen fast ungestört durch die Altstadt marschieren, was allerdings nur durch das harte Durchgreifen der Polizei gegen antifaschistische Aktivist_innen ermöglicht werden konnte. Gerade nach den Desastern am 16. Oktober in Leipzig und 19. Februar in Dresden für die Neofaschist_innen, versuchen die sächsische NPD und „Freie Kräfte“ diesen Tag als neuen Höhepunkt des rechtsradikalen Demojahres zu etablieren. Dieses Jahr wurde auch erstmals landesweit anstatt nur in Dresden und Umland mobilisiert, weshalb mit einer größeren Anzahl der Demoteilnehmenden zu rechnen ist. Im antieuropäischen Trend mitschwimmend, nutzen sie diesen Gedenkmarsch auch, um gegen die EU und finanzielle Hilfen für krisengeschwächte Länder zu hetzen. „Der deutsche Steuerzahler wird gezwungen, ein Moloch zu finanzieren, der unser Land wirtschaftlich, kulturell und geistig immer weiter aushöhlt,“1, ist dazu bei widerstand.info im Aufruf zu lesen. Damit ist als neue Ursache des „Volkstodes“ und allen Übels die EU identifiziert worden, wobei hier auch noch die historische Analogie zur Sowjet Union gefunden sein soll, sodass diese Aktion tatsächlich eine angebliche Verbindung zum historischen Ereignis zu bekommen scheint.
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Skandal in Dresden – Polizei verwechselt Versammlungsrecht mit Straßenverkehrsordnung!

Durch das jahrelange Nichtstun der Stadt Dresden und eine Gedenkkultur, die viele Anknüpfungspunkte für neo-nazistischen Geschichtsrevisionismus bot, hatte sich der Sonnabend nach dem Jahrestag der Bombadierung Dresdens am 13.02.1945 zu einem der Nazi-Events in Europa entwickelt.
Jahrelang versuchten Gewerkschaften und linke Parteien durch die „Geh Denken“-Demo die bürgerlichen Parteien sowie die Dresdner_innen zum Protest gegen die immer größer werdenden Naziaufmärsche zu bewegen. Stets erfolglos. Antifaschistische Demonstrationen, die mehr als nur zuschauen wollten, waren zahlenmäßig unterlegen und polizeilichen Repressalien ausgesetzt.
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