Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Don‘t touch me please…

Immer wieder, wenn ich mich außerhalb von safe spaces bewege, bekomme ich mit wie selbsverständlich andere Menschen sich und mich berühren. Traurigerweise beginnt dieser Raum sogar teilweise im örtlichen autonomen Zentrum, in dem ich mich echt gerne aufhalte. Noch schlimmer wird es je weiter ich mich aus meiner filter bubble entferne.

Dabei ist der Umgang fremder Menschen mit meinen eigenen Grenzen nur ein Teil des Ganzen. So widerlich es ist im Gedränge von Typen nicht einfach nur zur Seite geschoben zu werden, sondern dabei auch noch halb umarmt oder an der Hüfte oder sonstwo angefassst zu werden, so befremdlich sind mir auch die Berührungsmuster einander vertrauter Menschen, vor allem die von hetero-Pärchen.

Als Außenstehende_r lassen sich Beweggründe und Basis solcher Berührungen sicher kaum bis gar nicht beurteilen, doch durch die Handlung im öffentlichen Raum in meiner unmittelbaren Nähe, werde ich Zeug_in und Betroffene_r ebendieser. Dabei lässt es mich nicht kalt, wenn ein Macker in der U-Bahn seine Freundin sie immer wieder küsst indem er ihr Kinn umfasst und es an sich heranzieht. Was in der Theorie und in schnulzigen Romanen vielleicht romantisch klingt, wirkt an diesen Stellen einfach nur übergriffig und gewalttätig auf mich.

Auch jenseits von so offenkundigen „Zuneigungsbekundungen“ sind viele Arten wie Typen ihre Freundinnen anfassen gekennzeichnet von Machtgefälle und Besitzansprüchen. Da liegt der Arm um ihre Schulter oder eine Hand hält den Oberarm, wie um die Welt mit dem Gesicht darauf zu stoßen: „Das ist mein Revier.“ Dabei müssen diese Gesten nicht einmal so intendiert oder wahrgenommen sein, der Eindruck, den sie bei mir hinterlassen, ist jedoch oben beschriebener.

Wir sind doch alle irgendwie „die neuen Juden“, oder?

“Wir sind die neuen Juden” ließ Heinz-Christian Strache, der Vorsitzende der rechtsradikalen Partei FPÖ, am Freitag beim völkischen WKR-Ball verlauten. Achso, diese Neonazis, Holocaustleugner*innen und Volksgemeinschaftsfetischist*innen sind also “die neuen Juden”. Und sowieso waren die Proteste gegen die Burschenschaftlerfete in der Hofburg gemeingefährlich, ja, haben die Besucher*innen in “Todesangst” versetzt, sodass, wie Strache weiß, den Neonazis ein Einblick in die Gefühlswelt der Juden während der (nicht sogenannten, sondern DER) “Reichskristallnacht” möglich war. Aha, gegen “die neuen Juden” wurden also schon Progrome geplant und durchgeführt. Aber natürlich vergleicht Strache sich nicht mit den jüdischen Menschen während des Nationalsozialismus, er hat immerhin “tiefstes Mitgefühl mit allen Opfern des nationalsozialistischen Regimes”, deshalb seien seine Äußerungen auch nicht relativierend. Soso, hinter “dieser Hetzkampagne” gegen ihn und seine Partei stecken eh die Linksextremisten, ein unmoralischer Journalist der österreichischen Tageszeitung “Der Standard”, ach, eigentlich die Medien insgesamt, immerhin engagiert sich die “Freiheitliche Partei” auch “gegen jede mögliche Wiederholung des Holocaust”.
(mehr…)

Gegen jedes Mackertum!

Anhand meiner Erlebnisse auf einer antifaschistischen Demonstration in Frankfurt am Main werde ich hier ein paar Beobachtungen über den Umgang miteinander in der linksradikalen Szene notieren.

Das Netzwerk Frankfurter Antifaschist_innen hatte zum 28.01. zu einer Demonstration gegen Verfassungsschutz, rechten Terror und Extremismusdoktrin aufgerufen. In der Erläuterung wurde eindeutig auf die Jahrestagen der Befreiung Auschwitz durch die Rote Armee am 27.01.1945 und der Machtübernahme Hitlers am 30.01.1933 Bezug genommen und das Datum der Demo in diesen historischen Kontext gesetzt. Vor diesem Hintergrund müssen sich die Ereignisse dieses Samstages messen lassen und erscheinen noch einmal in einem problematischerem Licht als ohnehin schon.

(mehr…)

Ode an KRISTINA

Oh, Kristina, du hessischer Engel,
Kämpfst gegen linksextreme Bengel.
Sie verachten die FDGO,
Da werden Demokraten nicht froh.
Auch böse Islamisten greifst du an,
Egal ob aus Ägypten oder dem Iran.
Rassismus gegen Deutsche siehst du nicht gern,
Deine Weisheit ist von einem anderen Stern.
Bist sogar Doktor ohne Plagiat,
MdB und Mutter im Spagat.
Perlenohrringe stehen dir stets gut,
Auf Alice Schwarzer hast du Wut,
Bist emanzipiert von ganz alleine,
Feminist_innen brauchst du dafür keine.
Du bist die tollste Ministerin der Welt,
Hoffen wir, dass die Regierung lange hält!

Occupy shoe stores!

Die momentan aufkommende Protestbewegung die unter dem Motto „Occupy Wall Street“ in New York begonnen hat, verkennt einige zentrale Aspekte der aktuellen Krise.
Sie pflegt eine verkürzte und personalisierte Kapitalismuskritik, in der einseitig der Finanzsektor und das ominöse 1% der Bevölkerung, das angeblich für Ausbeutung und Krise verantwortlich sei, angegriffen werden.
(mehr…)

News aus der Provinz: Frust für Radeberger Kamerad_innen

Das bekamen wir gerade von der Autonomen Antifa Radeberg:

Nach Bekanntwerden einer angemeldeten Mahnwache „Bombenterror gegen Libyen stoppen“ von Radeberger NPD-Stadtrat Simon Richter am 29. September, formte sich schnell kreativer Protest. So wurde schon gegen Mittag der gesamte Marktplatz mit Antifaplakaten dekoriert um es den stolzen Deutschen so gemütlich wie möglich zu machen. Leider fühlten sich die Faschist_innen von so viel entgegengebrachter Nächstenliebe überfordert und rissen die Plakate wenig später wieder herunter. Unglaublich enttäuscht trafen eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung die ersten Antifaschist_innen ein, welche sich von dieser Zurückweisung jedoch nicht entmutigen ließen. Schnell wurden aus dem Rathaus sämtliche Mülltonnen herausgebracht und wiederum dekorativ als Entsorgungsmöglichkeit für die verteilte braune Propaganda aufgestellt.

Ungeduldig warteten alle Anwesenden auf die Gastgeber_innen. Die sammelten sich eine halbe Stunde nach offiziellem Beginn (deutsche Pünktlichkeit!?) auf der anderen Seite des Marktplatzes, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden und ihr mitgebrachtes Demonstrationsequipment auszutauschen. Mit neuem Transparent und reduzierter Teilnehmer_innenzahl (aus drei wurden nur noch zwei) grüßten die beiden Nazis die Anwesenden. Zielsicher steuerten die beiden genau unter das Transparent, das zuvor aus dem Büro des Oberbürgermeisters Gerhard Lemm entrollt wurde.

Um die Wohlfühlatmosphäre noch weiter zu steigern, packten die Antifas ein buntbemaltes Transpi mit der Aufschrift „No Nazis in Radeberg!“ aus. Nachdem die beiden Kamerad_innen von der NPD nach 20 Minuten immer noch anwesend waren, bekamen sie nun von ihren freundlichen Antifaschist_innen etwas Musik auf die Ohren. Die Bibliothek stellte netterweise einen Ghettoblaster sowie heitere jüdische Musik zur Verfügung, sodass dem fröhlichen Treiben nichts mehr im Wege stand.
Davon ließen sich die Nazis jedoch nicht anstecken und versuchten immerzu den Antifas auszuweichen – ohne Erfolg. Frustriert brachen die nationalen „Volkshelden“ 30 Minuten vor dem offiziellen Ende die Veranstaltung ab.

Fazit für die Nazis: Fünf verteilte Flyer (zwei an die Antifas; zwei an Passant_innen welche diese sofort in die dafür vorgesehenen Behältnisse warfen; naja, und einen an einen stadtbekannten Kameraden).

Fazit für alle Anderen: Sonne, Musik und viel Spaß – ein lustiger Nachmittag in Radeberg!

Quelle: http://aardb.blogsport.de/2011/10/01/frust-fuer-radeberger-kamerad_innen/

Von Aktionismus keine Spur: Die zwei Nazis stehen einfach nur rum.

Unkritische Selbstreflexion

Eigentlich war es mir schon vorher klar. Aber letztens wurde es mir wieder besonders in Erinnerung gerufen: ich habe auch Freund_innen, die entfernt von mir wohnen, und nicht in der Stadt, die ich als meinen Lebensmittelpunkt bezeichnen würde. Um nun diese Freund_innen zu besuchen und in die Provinz zu fahren, bedarf es der Wahl eines geeigneten Verkehrsmittels.

Die Deutsche Bahn kam für mich nicht in Frage. Einmal des ersten Wortes wegen, das im Namen vorkommt und zum Anderen, ist es einfach stillos mit der Bahn zu fahren. Also entschied ich mich für ein anderes Abenteuer: die Mitfahrgelegenheit. Günstig – flexibel – einfach – schnell. Eine großartige Erfindung. Jedoch hat die ganze Sache einen gravierenden Nachteil: die anderen Menschen. Und im Gegensatz zur Bahn kann ich das Fahrzeug hier nicht einfach verlassen, wenn diese mir auf unsägliche Art und Weise auf den Geist gehen.

(mehr…)

Das Facebook Problem

Ein Tag wie jeder andere. Wenn ich nicht mit einem coffee to go von einem „unglaublich wichtigen“ Termin zum nächsten renne oder in einem Büro sitze um „unglaublich wichtigen“ Kram zu erledigen, dann hänge ich bei Facebook rum. Und nein ich gehöre nicht zu dem Typ Mensch, der seine Mariuhana Farm auf Facebook verwaltet, oder komische Fragen wie „Findest du, dass Peter nackt gut aussieht?“ beantwortet. Nein, ich verarbeite eher meine alltäglichen Macken damit, komische Posts zu verfassen und meinen Freunden, die mindestens so durchgeknallt wie ich sind, politisch unkorrekte, bescheuerte, amateurhafte und wunderbare Youtube Videos zu zitieren.
(mehr…)

Fashion ja – Lookism nein!

Heute ist die neuste Staffel von Heidi Klums Skelettshow „Germany’s Next Topmodel“ gestartet und die damit verbundenen verplanten Donnerstagabende der Hälfte aller Menschen zwischen zwölf und 30 und gesicherte Pausengespräche in den Schulen, wer wen am schönsten und sympathischsten findet. Dabei werden unbemerkt von den Konsumiernden Klischees, Rollenbilder und falsche Vorbilder reproduziert. Die Teilnehmerinnen in dieser Castingshow werden zu abgemagerten Zombies gezüchtet, die sich ohne eigenen Willen nach den Vorstellungen von Frau Klum, Fotograf_innen und Produzent_innen verkaufen und vermarkten müssen, was von den (jungen) Zuschauer_innen als nachahmungswürdig empfunden wird.
(mehr…)