Don‘t touch me please…

Immer wieder, wenn ich mich außerhalb von safe spaces bewege, bekomme ich mit wie selbsverständlich andere Menschen sich und mich berühren. Traurigerweise beginnt dieser Raum sogar teilweise im örtlichen autonomen Zentrum, in dem ich mich echt gerne aufhalte. Noch schlimmer wird es je weiter ich mich aus meiner filter bubble entferne.

Dabei ist der Umgang fremder Menschen mit meinen eigenen Grenzen nur ein Teil des Ganzen. So widerlich es ist im Gedränge von Typen nicht einfach nur zur Seite geschoben zu werden, sondern dabei auch noch halb umarmt oder an der Hüfte oder sonstwo angefassst zu werden, so befremdlich sind mir auch die Berührungsmuster einander vertrauter Menschen, vor allem die von hetero-Pärchen.

Als Außenstehende_r lassen sich Beweggründe und Basis solcher Berührungen sicher kaum bis gar nicht beurteilen, doch durch die Handlung im öffentlichen Raum in meiner unmittelbaren Nähe, werde ich Zeug_in und Betroffene_r ebendieser. Dabei lässt es mich nicht kalt, wenn ein Macker in der U-Bahn seine Freundin sie immer wieder küsst indem er ihr Kinn umfasst und es an sich heranzieht. Was in der Theorie und in schnulzigen Romanen vielleicht romantisch klingt, wirkt an diesen Stellen einfach nur übergriffig und gewalttätig auf mich.

Auch jenseits von so offenkundigen „Zuneigungsbekundungen“ sind viele Arten wie Typen ihre Freundinnen anfassen gekennzeichnet von Machtgefälle und Besitzansprüchen. Da liegt der Arm um ihre Schulter oder eine Hand hält den Oberarm, wie um die Welt mit dem Gesicht darauf zu stoßen: „Das ist mein Revier.“ Dabei müssen diese Gesten nicht einmal so intendiert oder wahrgenommen sein, der Eindruck, den sie bei mir hinterlassen, ist jedoch oben beschriebener.

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6 Antworten auf „Don‘t touch me please…“


  1. 1 belbel 20. Januar 2013 um 12:12 Uhr

    Du leidest wohl unter einer starken sozialphobie & übertragst deine eigenen Berührungsängste auf andere. Ich nehme meine Freundin (Ja, ein heteronormes Pärchen) auch oft in den Arm, leg meinen Arm um Sie oder nehme ihre Hand. Und dies nie aus Besitzansrpüchen – solche Gefühle sind mir gar fremd, was Sie teilweise sogar stört, sondern weil es sich für mich aber vor allem für sie gut & schützend anfühlt. Dies hat auch nichts damit zu tun, dass ich ein Mann und sie eine Frau ist, sondern dass man jemanden hat auf den man sich immer verlassen & vertrauen kann. Ein fester Griff ist wenn der andere es möchte auch kein Zeichen von Gewalt, sondern nur wenn es der andere nicht will.

  2. 2 highheelantifa 20. Januar 2013 um 22:34 Uhr

    Nein, das kann man so gar nicht sagen. In Gruppen, die ich kenne und von denen ich weiß, dass es dort ok ist bin ich ziemlich verschmust und auch sonst kein_e Feind_in von Zärtlichkeit.

    Nicht jedes Paar, dass seine Zusammengehörigkeit in die Welt trägt, wirkt auf mich wie oben beschrieben. Es ist eine sehr spezifische Art von Berührung, die mir so negativ aufgefallen ist. Bei anderen ist diese Schwelle vielleicht an anderen Stellen gelagert.

    Es geht mir einfach nur darum, zu reflektieren welche Arten von Berührungen wir als normal erachten und was das in bestimmten Räumen zu suchen hat.

  3. 3 magda 20. Januar 2013 um 23:19 Uhr

    ich kann jeden satz nur unterschreiben!
    danke für den text!

  4. 4 Der Olli 21. Januar 2013 um 8:42 Uhr

    Es mag viele Fälle geben, in denen ein Mann damit sein „Revier markieren“ will. Aus meiner Erfahrung kann ich aber genauso berichten, dass Frau auch mal höchstselbst um solche Gesten bittet, damit so von jenem ersten Phänomen (im Vorbeigehen unsittlich berührt werden) verschont bleibt. Denn leider gibt es nen Haufen Spacken, die ansonsten jedes Mädel als Freiwild betrachten.. also bitte nicht gleich pauschal alle Männer verurteilen, sondern erstmal nachfragen!

  5. 5 highheelantifa 21. Januar 2013 um 9:05 Uhr

    Es geht hier keineswegs um alle Männer, nur um die bei denen ich dieses Verhalten beobachte. Wenn Frauen um so eine „Markierung“ bitten, unterstreicht das meines Erachtens zwei Probleme:
    Zum einen, dass es anscheinend vollkommen normal ist, ungebundene Frauen als Freiwild zu betrachten. Dabei sollte niemand, ob mit oder ohne Partner_in einfach so berührt werden.
    Zum anderen, dass viele Menschen diesen Besitzanspruch internalisiert haben, aber das macht eine andere Kiste auf…

  6. 6 Joe 24. Januar 2013 um 10:10 Uhr

    Spannend. Immer wenn ich solche Einträge lese, erkenne ich meine Privilegien. Wenn ich durch die Stadt gehe und auf oben beschriebenes Verhalten treffe, dann denke ich mir größtenteils nichts. Ich bin indifferent gegenüber Menschen, die ich nicht kenne und denen ich gegenüber keine Absichten habe. Warum? Mir wird es nicht angekreidet. Es ist, als würdest Du auf einen Baum zeigen, wo ich nur leere Luft sehe. Und ich komme damit durch. Gut durch. Als Normalo fühle ich relativ selten äußeren Druck. Der Druck ist allenfalls in mir. Wenn ich mein Normalosein erkenne, meine Sinnlosigkeit.

    Wochenaufgabe für mich: mal eine solche Situation wahrnehmen.

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