Das Facebook Problem

Ein Tag wie jeder andere. Wenn ich nicht mit einem coffee to go von einem „unglaublich wichtigen“ Termin zum nächsten renne oder in einem Büro sitze um „unglaublich wichtigen“ Kram zu erledigen, dann hänge ich bei Facebook rum. Und nein ich gehöre nicht zu dem Typ Mensch, der seine Mariuhana Farm auf Facebook verwaltet, oder komische Fragen wie „Findest du, dass Peter nackt gut aussieht?“ beantwortet. Nein, ich verarbeite eher meine alltäglichen Macken damit, komische Posts zu verfassen und meinen Freunden, die mindestens so durchgeknallt wie ich sind, politisch unkorrekte, bescheuerte, amateurhafte und wunderbare Youtube Videos zu zitieren.

Ich schweife ab, zurück zu dem Tag, den ich eigentlich meinte. Eine Freundin postet mir sozusagen einen Insider aus einem dieser politisch unkorrekten, bescheuerten, amateurhaften und wunderbaren Youtube Videos. Dies ist für die meisten Leute natürlich unverständlich, befremdlich, ekelerregend. Jetzt kam mir aber die Situation auf, dass ein weiterer Facebook Kontakt diesen Insider als Liebeserklärung interpretierte und uns in der danach aufkommenden (eigentlich Sinnlos-) Diskussion fragte, ob wir so etwas nicht in einem weniger öffentlichen Raum diskutieren wollen.

Wurde dieser sarkastische und sinnfreie Beitrag, von dem ich dachte, er wird wegen seiner Nichtigkeit und Inhaltslosigkeit, einfach ignoriert, tatsächlich ernst genommen? Ich beantwortete seine Zweifel mit weiteren, ähnlich inhaltsleeren Posts, die so voller Sarkasmus waren, dass man sie einfach nicht mehr ernst nehmen konnte.

Ich dachte jedoch nach: Was bedeutet Facebook eigentlich für uns? Natürlich ist es ein schönes, einfach zu bedienendes und schnelles Kommunikationsmedium. Gleichzeitig scheint es jedoch, im Gegensatz zu unseren Formen persönlicher Kommunikation, einige Defizite zu haben. Wo ist das losgelöste Gekicher, wo die mehrdeutig interpretierbaren Untertöne, wo das merkwürdige Verhalten, welches dafür sorgt, dass sich alle Menschen in unserer Umgebung besorgt umdrehen?

Ich kam nicht umhin, mich zu fragen: Sind wir echt? Was wird aus Freundeskreisen, die sich von New York bis Moskau hindurchziehen, wenn wir nicht imstande sind, in sozialen Netzwerken mit dem gewohnten Sarkasmus und mit der gewohnten Nichtigkeit zu kommunizieren? Sind soziale Netzwerke dazu in der Lage, unsere persönlichen Kontakte zu pflegen, ja zu intensivieren? Oder sorgen sie eher für eine Individualisierung unseres realen Ichs?

So jetzt aber Schluss mit dem Blödsinn. Ich hol mir jetzt erstmal nen Latte Macchiato im Pappbecher und renne weiter.

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1 Antwort auf „Das Facebook Problem“


  1. 1 Elsi 08. September 2011 um 20:59 Uhr

    Hahhaaha ich werde berühmt! Ich habe diese Gedankengänge in Schwung gebracht :D

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