Archiv für Juni 2011

Damals wie heute: Nieder mit dem deutschen Volke!

Neonazis wollen am 17. Juni in Dresden die „Volksaufstände“ von 1953 für ihre Zwecke in Dresdner Tradition umdeuten und unter dem Motto „Damals wie heute: Nationale Souveränität statt Fremdbestimmung!“ gegen eine angebliche „europäische Herrschaft“ über die BRD demonstrieren.

Schon seit circa 2001 versuchen Dresdner Neonazis um den „Aktionskreis 17. Juni 1953“ dieses Datum als einen Tag des „deutschen Volkes“ zu feiern und die Ziele der Aufstände, freie Wahlen, Erhöhung des Lebensstandards und Abbau der Grenzen (zwischen BRD und DDR), zu vereinnahmen, letztes Jahr konnten sie unter dem Slogan „Damals wie heute: Alle Macht dem Volke!“ mit rund 100 Personen fast ungestört durch die Altstadt marschieren, was allerdings nur durch das harte Durchgreifen der Polizei gegen antifaschistische Aktivist_innen ermöglicht werden konnte. Gerade nach den Desastern am 16. Oktober in Leipzig und 19. Februar in Dresden für die Neofaschist_innen, versuchen die sächsische NPD und „Freie Kräfte“ diesen Tag als neuen Höhepunkt des rechtsradikalen Demojahres zu etablieren. Dieses Jahr wurde auch erstmals landesweit anstatt nur in Dresden und Umland mobilisiert, weshalb mit einer größeren Anzahl der Demoteilnehmenden zu rechnen ist. Im antieuropäischen Trend mitschwimmend, nutzen sie diesen Gedenkmarsch auch, um gegen die EU und finanzielle Hilfen für krisengeschwächte Länder zu hetzen. „Der deutsche Steuerzahler wird gezwungen, ein Moloch zu finanzieren, der unser Land wirtschaftlich, kulturell und geistig immer weiter aushöhlt,“1, ist dazu bei widerstand.info im Aufruf zu lesen. Damit ist als neue Ursache des „Volkstodes“ und allen Übels die EU identifiziert worden, wobei hier auch noch die historische Analogie zur Sowjet Union gefunden sein soll, sodass diese Aktion tatsächlich eine angebliche Verbindung zum historischen Ereignis zu bekommen scheint.
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